Reifezeit


"Gut Ding will Weile haben", sagte die Oma immer und ich verstand nicht. Alles jetzt, alles sofort, alles gleich, so war ich als Kind und so bin ich heute noch.

Ich presche voran, ohne das Ziel zu kennen, ohne eine Idee zu haben, wohin es gehen soll. Das führt zu Verirrungen und auch zu blauen Flecken. Unvorbereitet sollte man nicht auf den Mount Everest und man sollte sich einen Berg ausgeguckt haben, den man besteigen möchte.

Für viele ist das normal, so zu handeln. Ich hingegen bin zwischen Stühlen steckengeblieben und starte hundert Bergbesteigungen, untrainiert und auf hundert Berge. Deshalb habe ich mir Reifezeit gegönnt. Ein paar Monate, in denen ich darüber nachdenken kann, wie es in meinem Leben nun weitergeht. Wo ich hin möchte mit den tausend Ideen und all den Dingen, die mich faszinieren.

Ich muss gestehen, dass ich nur ein kleines Stück weitergekommen bin, aber das gehört anscheinend dazu. Ich konnte die Berge eingrenzen, klar benennen, für welche ich nicht geeignet bin oder welche ich nicht mag. Ich habe mich - ein bisschen - geübt und etwas Vertrauen in meine Fähigkeiten gefasst.

Es bleibt ein Prozess, sich zu finden und die eigenen Grenzen auszuloten. Und auch das zu finden, wofür das Herz schlägt, dauert manchmal.

Bei einigen Menschen ein ganzes Leben.

Alice

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